Traditionsvereine Kitzbühel

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Die Geschichte des Turnvereins

1869 - 1929

  „ Es war im Jahre 1868, als sich mehrere freigesinnte Männer zusammenfanden und der edlen Turnerei in unserem Städtchen Eingang verschafften“, schrieb mehr als 30 Jahre später Turnwart Josef Herold über die Anfänge des Turnvereins Kitzbühel 1869.
 Bürgermeister Josef Pirchl gründete gemeinsam mit Altbürgermeister Ludwig Stainer und den Bürgern Anton Hölzl, Josef Riedler und Josef Pichler 1869 den Turnverein. Ludwig Stainer wurde auch der erste Turnlehrer und sorgte für einen geregelten Turnbetrieb. Allerdings konnte dieser nur in den Sommermonaten auf den Waldlichtungen am Lebenberg   durchgeführt werden.   1872 wurde   dem Verein   von der Stadtgemeinde die alte Schießstätte als Übungsplatz überlassen. Hier gab es neben einem Freiplatz auch eine Hütte, die als  provisorisch überdachter Turnraum zur Verfügung stand. Trotz alldem erschienen bis zu 40 Jungturner regelmäßig zum Üben.
Im selben Jahr 1872 wurde unter Josef Pirchl auch die Turner- Feuerwehr ins Leben gerufen.
 

Nach dem Tod Ludwig Stainers übernahm Rudolf Reisch und kurze Zeit später sein Bruder Franz Reisch die Aufgaben eines Turnwartes.
Seit 1895 dürften jeden Winter Skirennen in Kitzbühel stattgefunden haben, die von der Skiriege des heimischen Turnvereins organisiert wurden, der auch Reisch und Herold angehörten
Die  Stadtgemeinde errichtete   1906 für die Volksschule eine Turnhalle, die bis in die Mitte der 1960er Jahre   die einzige Turnhalle   im Bezirk   blieb. Da der Turnverein die   Geräteaustattung übernahm,   durfte er auch die Turnhalle zur Ausübungen seiner Turnstunden benützen.
Nach dem Ersten Weltkrieg begann mit der Anstellung des städtischen Turnlehrers Lorenz Zessinger, der 1923 nach Kitzbühel kam, nicht nur ein neuer Aufschwung des Vereins, sondern durch seine Tätigkeit als Turnlehrer für Knaben und Mädchen in der Volksschule setzte er auch hier starke Impulse. 1924 eröffnete Zessinger sogar Privat-Turnkurse für Mädchen und für „Damen im Frauenalter“. Auch hier zeigt sich seine Vorreiterrolle, war doch damals das Turnen für Mädchen und Frauen nicht üblich. Viel zu früh verstarb Lorenz Zessinger 1926 mit nur 46 Jahren.
 

Dieser Bericht über die Gründung und die ersten Jahrzehnte des Turnvereins wurde auszugsweise aus den Kitzbüheler Heimatblättern, 1994 / Nr. 3 übernommen.
Vielen Dank an OSR Hans WirtenbergerNeuer Textbereich...

Der Turnverein seit 1951

In den Jahren nach dem 2. Weltkrieg wurde in Kitzbühel in verschiedenen Gruppen eifrig Tischtennis gespielt. Die größte Gruppe entstand unter Leo Bosin und aus dieser Gruppe kamen dann auch jene Mitglieder, die im Rahmen des Turnvereins eine eigene Tischtennis-Sektion gründeten. Da nun auch ein regelmäßiger Betrieb am Dienstag und am Donnerstag in der Turnhalle stattfinden konnte, wurde unter dem ersten Sektionsleiter

Am Ende der 50er Jahre hatte sich der Turnverein gefestigt und konnte nun gesichert seine Arbeit fortsetzen.

Die Entwicklung des Turnens seit 1951

Der Turnverein Kitzbühel ging im Jahre 1938 in den Reichsbund für Leibesübungen über und musste daher nach dem 2. Weltkrieg wieder gegründet werden. Am 25. April 1951 fand im Gärkeller Kitzbühel die Gründungsversammlung statt. Erster Obmann wurde Georg Nußbaumer, der dieses Amt bis 1959 innehatte. Erster Turnwart war Georg Geiger, der Vater unseres jüngsten Ehrenmitgliedes Hannelore Naglich.
Die Anfangsjahre waren gekennzeichnet durch schwierige Verhandlungen um den Turnplatz in der Langau, der als Deutsches Eigentum 1945 an die Republik Österreich gefallen war. Dank des Einsatzes von Dr. Rudolf Schlesinger und Dr.Otto Wendling konnte dieser Turnplatz, der etwas südlicher als der heutige war, nach jahrelangen, intensiven Verhandlungen am 21.Jänner 1959 wieder in das Eigentum des Turnvereins überführt werden. Nun musste dieser Platz aber auch für die Leichtathletik wieder hergerichtet werden. Viele Stunden freiwilliger Arbeit waren notwendig, um die Laufbahn freizulegen und die Weitsprunggrube und eine Umkleidehütte zu errichten. Dank des tatkräftigen Einsatzes der Turnbrüder Erich Astl, Gerdt Demmer, Karl Herz und Hubert Weidner sowie vieler Jungturnerinnen und Jungturner konnte schon bald der Turnbetrieb im Freien aufgenommen werden
Weniger schwierig waren die Verhandlungen mit der Stadtgemeinde um die Benützungsrechte in der Turnhalle der Volks-und Hauptschule. Allerdings musste der Turnverein die Turngeräte ankaufen und der Schule zur Verfügung stellen. Das bedeutete eine große finanzielle Belastung. Dafür erhielt der Verein außerhalb der Schulturnzeiten das alleinige und ausschließliche Benützungsrecht für die Turnhalle. Im Jahre 1965 wurde dieser Vertrag abgeändert: statt der Verpflichtung, die Schule mit Geräten auszustatten, wurde nun eine jährliche Reinigungsgebühr eingeführt. Dieser Mietvertrag gilt bis 2064 und ist unkündbar
Immer wieder kann man in Turnratssitzungs-Protokollen nachlesen, dass man sich bemühte, die finanzielle Basis des Vereines zu verbreitern. Die verschiedensten Versuche wurden unternommen, um zu Geld zu kommen. Einer dieser erfolgreichen Versuche war 1954 die Teilnahme am Jahrmarkt, bei dem ein Reingewinn von S 1.217.- erwirtschaftet werden konnte. Lange Jahre wurden dann 2 Stände am Jahrmarkt betreut. Heute ist nur mehr die Sektion Tischtennis dabei.

Ein großes Problem lag „im völligen Mangel an Vorturnern“. In der Turnratssitzung vom 20. April 1953 wird deshalb die Frage aufgeworfen, ob der Turnbetrieb überhaupt noch aufrecht erhalten werden soll. In der Generalversammlung am 16. Juni 1954 wird sogar die Frage darüber abgestimmt, ob der Turnverein weiter bestehen soll. Und auch in der Generalversammlung 1955 wird über die Auflösung des Turnvereins diskutiert.
Aber – Gott sei Dank – kam es nie dazu. Im Gegenteil: es wurden nun regelmäßige Turnstunden in der Turnhalle der Volksschule abgehalten: am Montag war eine Männerturnstunde, am Mittwoch Frauenturnen und am Freitag gab es eine Turnstunde für Burschen und Mädchen, die am Gerätturnen interessiert waren. Am Samstag schließlich betreute Rosmarie Überall eine Kinderturnstunde, die so gut besucht war, dass einige Turnerinnen, darunter auch Paola Prasser, mithalfen. Man fuhr zu verschiedenen Turn- und Leichtathletikwettkämpfen und besuchte das Bergturnfest auf der Zistel in Salzburg. 1956 beteiligten sich einige Turner am Verbandsturnfest und dann, im Sommer 1956, nahm der Turnverein am ersten Bundesturnfest des ÖTB in Wels mit je 4 Turnern und Jungturnern und je 2 Turnerinnen und Jungturnerinnen teil.
Und am 8. Dezember 1956 wurde die erste Julfeier nach dem Krieg in der Tenne abgehalten. Unter der Leitung des Turnwartes Dr. Siegfried Tirala wurden die Festgymnastik der Turnerinnen, Boden- und Kastenturnen, sowie Übungen am Stufenbarren und Barren gezeigt. Die Julrede hielt der 2. Obmann Dr. Otto Wendling und fand dabei klare Worte für die Arbeit der Turner und ihren idealistischen Einsatz.

In den Jahren nach dem 2. Weltkrieg wurde in Kitzbühel in verschiedenen Gruppen eifrig Tischtennis gespielt. Die größte Gruppe entstand unter Leo Bosin und aus dieser Gruppe kamen dann auch jene Mitglieder, die im Rahmen des Turnvereins eine eigene Tischtennis-Sektion gründeten. Da nun auch ein regelmäßiger Betrieb am Dienstag und am Donnerstag in der Turnhalle stattfinden konnte, wurde unter dem ersten Sektionsleiter Hubert Weidner, schon bald eine Herrenmannschaft zu den Tiroler Mannschaftsmeisterschaften 1957 geschickt.1962 konnte dann auch eine Jugendmannschaft an den Tiroler Jugendmeisterschaften erfolgreich teilnehmen. Erster Jugendspieler war übrigens Werner Ziepl, der auch heute noch aktiv ist. Viel Idealismus war aber auch hier, bei der Tischtennissektion, nötig. Denn die Fahrten zu den verschiedenen Meisterschaftsspielen wurden mit privaten PKWs unternommen. Allerdings gab es nur wenige Autos. So war es anfangs Pepi Bodner, der immer wieder zu „Chauffeur-Ehren“ kam. Dann aber auch Walter Janisch, Sepp Berger, Leo Bosin und Hubert Weidner.

Am Ende der 50er Jahre hatte sich der Turnverein gefestigt und konnte nun gesichert seine Arbeit fortsetzen.

Einen neue Ära beginnt

Mit der Einstellung eines Diplomsportlehrers durch die Stadt Kitzbühel begann 1970 für das Turnen in Kitzbühel eine neue Ära. Neben seiner Lehrtätigkeit an der Hauptschule stand Werner Nessizius hauptsächlich dem Turnverein zur Verfügung.
Dipl. Sportlehrer Werner Nessizius widmete seine Zeit intensiv dem Ausbau des Trainingsbetriebs. Er begann mit neuen Turnstunden wie Kleinkinderturnen und zusätzlichen Trainingseinheiten für leistungswillige Kinder. Auch die Inhalte der einzelnen Stunden wurden der modernen Zeit angepasst, Gymnastik mit Musik gab den Aktiven zusätzlichen Schwung.
1971 wurde das erste Weihnachtsschauturnen in der Turnhalle der Hauptschule veranstaltet. Die Hälfte der Halle diente als Zuschauerraum und im anderen Teil zeigten alle Gruppen ihre Vorführungen. Diese Veranstaltung wurde im Laufe der Jahre immer größer, sodass man 1979 in die neu gebaute Turnhalle der Handelsakademie Kitzbühel übersiedelte. Langsam zählte das Schauturnen zu einem Fixpunkt im vorweihnachtlichen Veranstaltungskalender Kitzbühels. 2007 wagte der Turnverein dann einen großen Schritt und verlegte die Aufführung in den Mercedes Benz Sportpark auf die (abgedeckte) Eisfläche. Die Freude war riesengroß, als die 200 Aktiven ihre Vorführungen dann vor 900 Zuschauern zeigen konnten.
Ab 1973 wurde Werner Nessizius in seiner Tätigkeit durch seine Frau Nora unterstützt. Neue Angebote kamen dazu: Mutter-Kind-Turnen, Kindergartenturnen, Jazzgymnastik und Seniorenturnen sowie ein noch intensiveres Training für die Wettkämpfer durch Trainingswochen am Ende der Sommerferien. Aber auch für die Seniorinnen gab es ab 1982 eine eigene Turnstunde, die von Elsbeth Schöpfer bis heute geleitet wird und großen Anklang findet.
Gemeinsam mit dem Obmann des Allg. Turnvereins Graz, Otto Haase, erfand Werner Nessizius einen Vergleichswettkampf für Jugendliche, der neben Turnen auch Leichtathletik, Schwimmen und Schifahren beinhaltete. Von 1972 bis 1997 wurden diese Wettkämpfe jährlich ausgetragen und waren der Grundstock für viele Freundschaften zwischen Graz und Kitzbühel.
Das intensive Training bewirkte sehr bald auch eine verstärkte Teilnahme an kleinen und großen Wettkämpfen. Alle Bundesjugendtreffen, Bundesturnfeste, aber auch Bundesmeisterschaften und sogar Landes- und Staatsmeisterschaften im Gerätturnen wurden erfolgreich beschickt. Beim Bundesturnfest 1996 in Krems gelang es durch Karin Nessizius, die Bundesturnfest-Jugendsiegerin zu stellen.
Seit einigen Jahren sind wir in der glücklichen Lage, in Jan Überall einen staatl. geprüften Lehrwart für das Gerätturnen zu haben. Das gute Training und das neue Turnprogramm „Turn10“ lassen die Anzahl der ersten Plätze bei Landes-, Staats- und Bundesmeisterschaften rapid steigen. Sabine Bartl (ÖTB Bundesmeisterin 2010) und Sarah Rief (2. Platz) sowie Sandra Gintsberger (Turn10-Vizestaatsmeisterin 2010) führen bei den Mädchen eine starke Gruppe an. Manfred Obermoser wurde 2010 sowohl ÖTB Bundesmeister als auch Staatsmeister Turn10 vor Silvano Derungs, der jeweils einen 2. Platz belegte. 2011 gab es dann in der Mannschaftswertung bei den Staatsmeisterschaften Turn10 einen Vizestaatsmeister in der Jugendklasse. Aber auch die Erwachsenen sind immer wieder bei Wettkämpfen auf vordersten Plätzen anzutreffen. Beim Bundesturnfest 2006 in Linz konnten wir das erste Mal im Wimpelwettstreit - einem Vielseitigkeitsbewerb für Mannschaften - antreten und den 4. Platz erreichen.

Hinter all diesen Erfolgen steht natürlich auch ein gut eingespieltes Organisationsteam, das im Turnrat die Geschicke des Vereins lenkt sowie ein intensiv arbeitendes Vorturnerteam.
Für diese positive und erfolgreiche Arbeit wurden Hannelore Naglich (Obfrau 1999-2009) sowie Dipl. Sportlehrer Werner Nessizius 2008 mit der Vereinsehrennadel des Landes Tirol geehrt.
2010 erhielten Paula Prasser als langjährige Vorturnerin und Turnratsmitglied und Werner Nessizius für seinen großen Einsatz für den Sport das Sportehrenzeichen der Stadt Kitzbühel .

Der Turnverein - Ein Verein für alle Altersklassen

Der Turnverein Kitzbühel bietet für alle Altersstufen und Leistungsklassen ein breitgefächertes Programm. In unseren 3 Sektionen Turnen, Tischtennis und Basketball kann sich jeder Sportbegeisterte in jedem Alter ausarbeiten, Kondition tanken, seine Geschicklichkeit erproben und dabei noch Freunde finden.
Wir bieten im Laufe einer Woche 17 verschiedene Turnstunden an, dazu noch 3 Einheiten im Basketball und 2 Einheiten für die Tischtennis-Begeisterten. Außerdem stehen 3 Kurse mit jeweils 10 Stunden zur Auswahl.
Unser Angebot beginnt mit dem Mutter/Vater-Kind-Turnen für Kleinkinder ab 2 Jahren. Dann geht es weiter zum Kindergartenturnen, Turnen für Volksschulkinder und schließlich für unsere Jugend ab 10 Jahren. Dazu gibt es für die besonders Begabten noch 2 Einheiten zusätzliches Gerätturnen, das die Mädchen und Burschen auf die verschiedenen Wettkämpfe auf Landes- und Bundesebene vorbereitet. Parallel dazu bieten wir heuer auch wieder eine Stunde Video-Clip-Dance für unsere Jugend ab 10 Jahren an.
Aber auch für die Erwachsenen haben wir einiges zu bieten. Konditionsgymnastik für Frauen und Männer, Aerobic und Muskelaufbautraining, Gerätturnen, sowie altersentsprechende Gymnastik für Seniorinnen und Senioren lassen keine Langeweile aufkommen. Wer Vormittag Zeit hat, ist dann auch noch bei unserer Nordic-Walking-Gruppe gern gesehen.
Kurse für Stepaerobic, fröhliches Line Dance und Ausgleichsgymnastik mit Rückenschule runden unser Angebot ab.
Für Basketballfans gibt es wöchentlich 3 Einheiten und alle Tischtennisspieler können am Donnerstag trainieren.
Insgesamt bieten wir ein Programm mit ca. 35 Stunden pro Woche. Das sind auf das Jahr gerechnet etwa 1100 Stunden, die von unseren bestens ausgebildeten Vorturnerinnen und Vorturnern unentgeltlich gehalten werden. Nicht eingerechnet in diese Zeiten sind die verschiedenen Fortbildungskurse, Wettkämpfe und Ligaspiele, die fast immer am Wochenende abgehalten werden.
Höhepunkte unserer Arbeit sind die verschiedenen Wettkämpfe im Turnen, Basketball und Tischtennis sowie das alljährliche Schauturnen Anfang Dezember im Mercedes Benz-Sportpark.